Technik an Bord
Wohnmobil und Wohnwagen winterfest machen: Checkliste
Von Tibor Marton, aktualisiert am
Ein Wohnmobil oder Wohnwagen ist winterfest, wenn die gesamte Wasseranlage leer ist, die Batterien geladen und gepflegt werden und im Innenraum keine Feuchtigkeit stehen bleibt. Die meisten teuren Winterschäden entstehen durch gefrorenes Restwasser im Boiler, in Leitungen und Armaturen sowie durch Schimmel nach monatelanger Standzeit.
Diese Anleitung führt Sie in der Reihenfolge durch das Einwintern, in der Sie es auch am Fahrzeug erledigen, und endet mit einer Checkliste. Maßgeblich sind immer die Bedienungsanleitungen Ihres Fahrzeugs und der eingebauten Geräte; wo Hersteller oder der ADAC konkrete Werte nennen, steht die Quelle dabei.
Wann Sie einwintern sollten
Einwintern sollten Sie, bevor der erste Nachtfrost kommt, und nicht erst nach der letzten geplanten Tour. Schon eine einzige Frostnacht reicht, damit Restwasser in einem außen liegenden Ventil oder im Boiler gefriert. Wer im Herbst noch spontan losfahren möchte, kann die Wasseranlage nach jeder Fahrt entleeren und die übrigen Punkte später erledigen.
Planen Sie für das erste Einwintern einen halben Tag ein. Legen Sie sich die Bedienungsanleitungen von Heizung, Boiler, Kühlschrank und Toilette bereit, denn Lage und Bedienung der Ablassventile unterscheiden sich je nach Modell. Wer im Winter weiter reist, statt einzulagern, findet die passenden Hinweise im Ratgeber Wintercamping mit dem Wohnmobil.
Wasseranlage vollständig entleeren
Die Wasseranlage ist der wichtigste Punkt. Der ADAC rät, Frischwasser-, Warmwasser- und Abwassertank sowie die Toilettenkassette vollständig zu entleeren. Gehen Sie dabei vom Frischwasser zum Abwasser vor, damit das ablaufende Wasser nicht in einen bereits geleerten Tank zurückläuft.
- Wasserpumpe am Bedienpanel oder Hauptschalter ausschalten
- Alle Wasserhähne in Küche und Bad öffnen, Mischbatterien in Mittelstellung, damit warme und kalte Leitung leerlaufen
- Frischwassertank über das Ablassventil entleeren
- Boiler über sein Sicherheits- oder Ablassventil entleeren und prüfen, ob wirklich das gesamte Wasser herausgekommen ist
- Duschbrause abnehmen und den Schlauch nach unten hängen lassen
- Wasserfilter-Kartusche nach Herstellerangabe ausbauen
- Abwassertank entleeren, mit klarem Wasser nachspülen und den Schieber offen lassen
- Toilettenkassette leeren, reinigen und offen trocknen lassen; einen separaten Spülwassertank der Toilette ebenfalls entleeren
Hähne und Ablassventile bleiben über den Winter geöffnet, sofern Ihr Hersteller nichts anderes vorschreibt. So kann sich kein Druck aufbauen, wenn doch ein Rest Wasser gefriert.
Boiler, Frostwächter und Frostschutzmittel
Viele Boiler haben ein automatisches Sicherheits- und Ablassventil mit Frostschutz. Bei der Truma Combi mit FrostControl öffnet es laut Gebrauchsanweisung bei etwa 3 °C am Ventil von selbst und leert den Boiler nach außen. Schließen lässt es sich ohne Heizbetrieb erst wieder ab etwa 7 °C. Verlassen Sie sich beim Einlagern trotzdem nicht allein auf diesen Automatismus, sondern öffnen Sie das Ventil selbst und kontrollieren Sie den Ablauf.
Die Austrittsöffnung unter dem Fahrzeug muss frei bleiben. Laub, Schneematsch oder Eis können sie verstopfen, dann bleibt Wasser im Boiler. Truma empfiehlt außerdem, das Ventil mindestens zweimal im Jahr zu betätigen, damit es nicht durch Kalk blockiert.
Zu Frostschutzmitteln in der Trinkwasseranlage gibt es im Internet viele Meinungen. Die Truma-Anleitung sieht als Frostschutz das Entleeren vor und untersagt es, im Boiler andere Flüssigkeiten als Trinkwasser zu erwärmen, etwa Reinigungs-, Entkalkungs- oder Konservierungsmittel. Die sichere Lösung ist deshalb die vollständig leere Anlage. Möchten Sie dennoch ein Mittel einsetzen, klären Sie vorher mit dem Hersteller Ihres Fahrzeugs und Ihres Boilers, ob und welches zulässig ist.
Batterien für die Standzeit
Aufbau- und Starterbatterie entladen sich im Winter langsam, auch ohne eingeschaltete Verbraucher. Eine tiefe Entladung schadet vor allem Blei-, AGM- und Gel-Batterien dauerhaft. Der ADAC rät, die Batterien vor dem Einwintern voll zu laden und alle 4 bis 8 Wochen nachzuladen oder ein Ladungserhaltungsgerät anzuschließen. Bei langer Standzeit kann auch der Ausbau und eine frostfreie Lagerung sinnvoll sein.
- Batterien vollständig laden und den Batterie-Trennschalter betätigen, falls vorhanden
- Verbraucher mit Ruhestrom prüfen, etwa Alarmanlage, Ortungsgerät oder Bedienpanels
- Bei Lithium-Batterien die Herstellerangaben zum empfohlenen Ladezustand für die Lagerung beachten
- Die Batterie eines Wohnwagen-Movers ebenfalls laden oder ausbauen
Wenn Sie das Fahrzeug an Landstrom lassen, prüfen Sie, ob Ihr Bordladegerät für den Dauerbetrieb vorgesehen ist. Ein Batteriemonitor zeigt Ihnen bei einem Kontrollbesuch schnell, ob die Batterie ihren Ladezustand hält. Mehr zum Umgang mit Lithium-Batterien lesen Sie im Ratgeber Lithium-Aufbaubatterie.
Gas, Heizung und Kühlschrank
Schließen Sie die Flaschenventile und die Absperrhähne der einzelnen Geräte. Der ADAC empfiehlt, die Gasflaschen von der Anlage zu trennen, die Schutzkappen aufzusetzen und die Flaschen sicher an einem kühlen, trockenen und gut belüfteten Ort zu lagern.
Für den Kühlschrank nennt zum Beispiel Dometic in der Anleitung seiner Absorberkühlschränke: ausschalten, die Tür in der Lüftungsstellung einen Spalt offen lassen, damit sich kein Schimmel bildet, und bei längerer Außerbetriebnahme die Winterabdeckungen auf die Lüftungsgitter setzen. Mehr zum Kühlschrank finden Sie im Ratgeber Kühlschrank im Wohnmobil.
Die Winterpause ist außerdem ein guter Zeitpunkt, um das Datum der letzten Gasprüfung zu kontrollieren. Laut TÜV-Verband ist die Prüfung nach DVGW G 607 seit dem 19. Juni 2025 für Wohnmobile und Wohnwagen mit fest eingebauter Flüssiggasanlage alle zwei Jahre Pflicht. Wer den Termin vor der neuen Saison legt, vermeidet Wartezeiten im Frühjahr. Hintergründe stehen im Ratgeber Gasprüfung und Sicherheit, zur Heizung selbst im Ratgeber Heizung im Wohnmobil.
Innenraum gegen Feuchtigkeit schützen
Ein geschlossenes Fahrzeug, das monatelang steht, sammelt Feuchtigkeit. Sie schlägt sich an kalten Außenwänden nieder und führt zu Stockflecken und Schimmel in Polstern und Schränken.
- Alle Lebensmittel, Getränke, Kosmetik und Reinigungsmittel ausräumen, die gefrieren oder auslaufen können
- Polster hochkant stellen oder mit Abstand zur Wand lagern, Matratzen anheben
- Schrank- und Staufachtüren einen Spalt offen lassen
- Raumentfeuchter mit Granulat aufstellen und bei Kontrollbesuchen leeren
- Regelmäßig lüften, wenn Sie am Fahrzeug sind, am besten an einem trockenen Tag
Der ADAC nennt sowohl regelmäßiges Lüften als auch Luftentfeuchter-Granulat als Mittel gegen Schimmel. Isolierende Außenmatten an der Frontscheibe können zusätzlich Kondenswasser im Fahrerhaus verringern.
Außen, Reifen und Stellplatz
Waschen Sie das Fahrzeug vor der Standzeit, denn Laub, Vogelkot und Straßenschmutz greifen Lack und Dichtungen über Monate stärker an. Dometic rät in der Kühlschrank-Anleitung, im Bereich der Lüftungsgitter keinen Hochdruckreiniger zu verwenden. Nutzen Sie die Wäsche, um Fugen, Dachhauben und Fensterdichtungen anzusehen. Wie Sie dabei vorgehen, erklärt der Ratgeber Wohnmobil pflegen und Dichtigkeit prüfen.
Gegen Standplatten rät der ADAC, das Fahrzeug aufzubocken oder die Reifen mit 0,5 bar über dem angegebenen Reifendruck zu befüllen. Die Handbremse sollte nicht angezogen werden, weil sie festfrieren kann; sichern Sie das Fahrzeug stattdessen mit Keilen. Denken Sie daran, den Reifendruck vor der ersten Fahrt im Frühjahr wieder auf den Sollwert zu bringen.
- Ideal ist ein ebener, trockener und überdachter Platz, etwa eine Halle oder ein Carport
- Im Freien nur eine atmungsaktive Abdeckung verwenden, keine dichte Plane, unter der sich Feuchtigkeit staut
- Kühlflüssigkeit und Scheibenwaschwasser mit ausreichendem Frostschutz auffüllen
- Beim Wohnwagen Stützen herunterdrehen und eine Diebstahlsicherung an der Kupplung anbringen
Checkliste zum Einwintern
- Wasserpumpe aus, alle Hähne in Mittelstellung öffnen
- Frischwassertank, Boiler und Leitungen entleeren, Ablassventile offen lassen
- Duschschlauch und Filterkartusche leeren beziehungsweise ausbauen
- Abwassertank leeren, spülen, Schieber offen lassen
- Toilettenkassette und Spülwassertank leeren, reinigen, offen trocknen
- Gasflaschen und Geräteventile schließen, Flaschen abklemmen und sicher lagern
- Kühlschrank ausschalten, Tür in Lüftungsstellung, Winterabdeckungen anbringen
- Batterien voll laden, Trennschalter betätigen, Nachladen im Kalender eintragen
- Lebensmittel und Flüssigkeiten ausräumen, Polster aufstellen, Entfeuchter aufstellen
- Fahrzeug waschen, Dichtungen und Dach ansehen
- Reifendruck erhöhen oder aufbocken, Keile unterlegen, Handbremse lösen
- Termin für Gasprüfung und gegebenenfalls Dichtigkeitsprüfung vor der Saison planen
Im Frühjahr gehen Sie die Liste rückwärts durch: Ventile schließen, Tank vor dem ersten Befüllen reinigen, Reifendruck anpassen, Gas anschließen und die Anlage auf Dichtheit und Funktion prüfen. Wie Sie den Frischwassertank reinigen, lesen Sie im Ratgeber Wasser und Hygiene an Bord. Entfeuchter, Erhaltungsladegerät und Abdeckungen führen die Händler unter Wo kaufen.
Häufige Fragen
Wann sollte ich mein Wohnmobil einwintern?
Spätestens bevor der erste Nachtfrost angekündigt ist. Schon eine Frostnacht kann Restwasser im Boiler oder in außen liegenden Ventilen gefrieren lassen. Wer im Herbst noch fährt, entleert zumindest nach jeder Tour die Wasseranlage.
Wie entleere ich die Wasserleitungen vollständig?
Pumpe ausschalten, alle Hähne in Mittelstellung öffnen, dann Frischwassertank und Boiler über ihre Ablassventile leeren und den Duschschlauch nach unten hängen. Hähne und Ventile bleiben über den Winter offen, sofern der Hersteller nichts anderes vorgibt. Wo die Ablassventile sitzen, steht in der Bedienungsanleitung Ihres Fahrzeugs.
Darf ich Frostschutzmittel in die Wasseranlage füllen?
Die sichere Lösung ist eine vollständig entleerte Anlage. Truma untersagt zum Beispiel in der Anleitung der Combi-Heizungen, im Boiler andere Flüssigkeiten als Trinkwasser zu erwärmen. Klären Sie den Einsatz eines Mittels vorher mit dem Hersteller von Fahrzeug und Boiler.
Wie oft muss ich die Batterie im Winter nachladen?
Der ADAC rät, die Batterien alle 4 bis 8 Wochen nachzuladen oder ein Ladungserhaltungsgerät anzuschließen. Bei Lithium-Batterien gelten die Lagerhinweise des Herstellers. Ruhestromverbraucher wie Alarmanlagen verkürzen die Zeit bis zur nächsten Ladung.
Soll ich die Handbremse beim Einlagern anziehen?
Nein, der ADAC rät davon ab, weil die Handbremse festfrieren kann. Sichern Sie das Fahrzeug stattdessen mit Keilen. Gegen Standplatten helfen Aufbocken oder ein um 0,5 bar erhöhter Reifendruck.
Muss die Heizung im Winter gewartet werden?
Vor dem Einlagern genügt es, Gasflaschen und Geräteventile zu schließen und den Boiler zu entleeren. Prüfen Sie aber das Datum der letzten Gasprüfung: Sie ist laut TÜV-Verband alle zwei Jahre Pflicht. Wartung und Reparatur an Gasgeräten gehören zum Fachbetrieb.
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