Technik an Bord
Wohnmobil pflegen: Dach, Dichtungen, Dichtigkeitsprüfung
Von Tibor Marton, aktualisiert am
Die Dichtigkeitsprüfung beim Wohnmobil ist keine gesetzliche Pflicht, sondern in der Regel eine Bedingung der Hersteller für die Dichtigkeitsgarantie des Aufbaus. Wer sie auslässt, riskiert die Garantie und übersieht eindringende Feuchtigkeit oft so lange, bis ein teurer Schaden entstanden ist.
Dieser Ratgeber erklärt, wie die Prüfung abläuft, wie Sie zwischendurch selbst messen und wie Sie Dach, Außenhaut und Dichtungen so pflegen, dass Wasser gar nicht erst eindringt. Maßgeblich sind die Garantiebedingungen im Serviceheft Ihres Fahrzeugs.
Warum Feuchtigkeit teuer wird
Ein Wohnmobilaufbau besteht aus vielen verklebten und verschraubten Teilen: Wände, Dach, Boden, Fenster, Dachhauben, Klappen und Anbauteile wie Markise oder Solarmodule. Jede dieser Verbindungen ist eine mögliche Eintrittsstelle. Dringt dort über Monate Wasser ein, bleibt es in Wand und Boden, weil es nicht abtrocknen kann.
Je nach Bauweise können Holzteile faulen, Dämmung durchnässen oder Wandschichten sich lösen. Von außen sieht man davon lange nichts. Wenn Flecken, weiche Stellen oder muffiger Geruch auftreten, ist die Feuchtigkeit oft schon weit verbreitet. Deshalb lohnt es sich, früh und regelmäßig zu messen.
Dichtigkeitsprüfung: Pflicht oder Garantiebedingung?
Eine gesetzliche Pflicht zur Dichtigkeitsprüfung gibt es nicht; sie hat nichts mit Hauptuntersuchung oder Gasprüfung zu tun. Viele Hersteller geben aber eine freiwillige Dichtigkeitsgarantie auf den Aufbau und machen eine regelmäßige Prüfung zur Bedingung. Laut PiNCAMP by ADAC verlangen die Hersteller dafür einmal jährlich eine Prüfung in einem vom Hersteller autorisierten Fachbetrieb; wird sie versäumt, kann die Garantie entfallen.
Dauer der Garantie, Umfang und Prüffristen legt jeder Hersteller selbst fest. Manche Garantien gelten für den gesamten Aufbau, andere nur für bestimmte Verbindungen. Die genauen Bedingungen und die Fristen, in denen der Termin liegen muss, stehen im Serviceheft oder Garantieheft.
So läuft die Prüfung ab
Die Prüfung besteht in der Regel aus zwei Teilen: einer Sichtkontrolle von Fugen, Fenstern, Dachhauben und Dichtungen und einer Messung mit einem Feuchtigkeitsmessgerät an Wänden, Decke und Boden. Der Hersteller LMC nennt als Messpunkte zum Beispiel Wände, Öffnungen, Klappen, Fenster, Nähte und Kanten und gibt als Richtwert an, dass der Feuchtigkeitswert 20 % nicht überschreiten sollte. Andere Hersteller und Messgeräte arbeiten mit eigenen Skalen.
Die Werkstatt dokumentiert die Ergebnisse im Prüf- oder Serviceheft. Kosten und Dauer hängen vom Fahrzeug und der Zugänglichkeit der Messpunkte ab; PiNCAMP by ADAC nennt eine Spanne von 60 bis 200 Euro. Fragen Sie vorher nach dem Preis und danach, ob kleine Nacharbeiten an Fugen gleich mit erledigt werden können.
- Termin rechtzeitig innerhalb der vorgeschriebenen Frist vereinbaren
- Serviceheft mitbringen
- Staufächer und Schränke so weit leeren, dass die Wände erreichbar sind
- Eigene Beobachtungen notieren, etwa Flecken, Geruch oder auffällige Messwerte
Feuchtigkeit selbst messen
Mit einem eigenen Feuchtigkeitsmessgerät können Sie zwischen den Werkstattterminen oder nach Ablauf der Garantie selbst kontrollieren. LMC weist darauf hin, dass eine eigene Messung den Besuch in der Fachwerkstatt nicht ersetzt. Sie hilft aber, Veränderungen früh zu bemerken.
- Feste Messpunkte festlegen, etwa an Fensterecken, unter Dachhauben, an Klappen und an den Kanten von Dach und Boden
- Immer mit demselben Gerät und bei ähnlichen Bedingungen messen, nicht direkt nach Regen oder bei starker Kondensation
- Werte mit Datum notieren und mit den letzten Messungen vergleichen
- Steigt ein Wert deutlich an, die Stelle von einer Fachwerkstatt prüfen lassen
Achten Sie außerdem auf Anzeichen, die ohne Messgerät sichtbar sind: Verfärbungen an Tapete oder Holz, weiche oder nachgebende Stellen in Wand und Boden, Beulen in der Außenhaut, aufgequollene Leisten und ein muffiger Geruch in Schränken.
Dach und Außenhaut reinigen
Regelmäßiges Waschen entfernt Schmutz, der Dichtungen angreift und die Sicht auf Risse verdeckt. Nutzen Sie weiche Bürsten und Reiniger, die laut Hersteller für die Materialien Ihres Aufbaus geeignet sind. Für das Dach ist eine Teleskopbürste mit Wasserdurchlauf praktisch, mit der Sie von einer Leiter oder einem Gerüst aus arbeiten.
Mit dem Hochdruckreiniger ist Vorsicht geboten: Richten Sie den Strahl nicht direkt auf Fugen, Dichtungen, Fenstergummis und Lüftungsgitter, weil Wasser hineingedrückt werden kann. Dometic etwa warnt in der Anleitung seiner Kühlschränke ausdrücklich davor, im Bereich der Lüftungsgitter einen Hochdruckreiniger zu verwenden.
Dichtungen und Fugen pflegen
Gummidichtungen an Türen, Klappen und Fenstern bleiben länger elastisch, wenn Sie sie sauber halten und gelegentlich mit einem Pflegemittel behandeln, das der Hersteller empfiehlt. Achten Sie bei Acrylglasfenstern darauf, nur Reiniger zu verwenden, die für Acryl freigegeben sind, und trocken nicht mit rauen Tüchern zu wischen.
Die Dichtmasse in den Fugen altert durch Sonne und Temperaturwechsel. Risse, Ablösungen oder spröde Stellen sollten Sie nicht einfach überschmieren, denn eine ungeeignete Dichtmasse kann die spätere Reparatur erschweren und Garantieansprüche berühren. Lassen Sie solche Stellen bei der nächsten Prüfung ansehen und fachgerecht erneuern.
Versiegeln und ein fester Pflegeplan
Eine Politur oder Versiegelung schützt GFK- und Lackflächen vor UV-Strahlung und erleichtert die nächste Reinigung. Welche Produkte geeignet sind, hängt vom Material ab und steht in den Pflegehinweisen Ihres Herstellers. Testen Sie neue Mittel an einer unauffälligen Stelle.
- Nach jeder längeren Reise: Dach und Außenhaut ansehen, grobe Verschmutzung entfernen
- Zweimal im Jahr: Fahrzeug gründlich waschen, Dichtungen pflegen, eigene Feuchtemessung
- Einmal im Jahr: Dichtigkeitsprüfung laut Garantiebedingungen in der Fachwerkstatt
- Vor dem Winter: Reinigung und Kontrolle als Teil des Einwinterns
Wie die Pflege in das Einwintern passt, zeigt der Ratgeber Wohnmobil winterfest machen. Wer Solarmodule oder eine Markise nachrüstet, sollte vorher klären, wie sich Bohrungen auf die Garantie auswirken, siehe Solaranlage und Autarkie. Pflegemittel, Bürsten und Messgeräte finden Sie bei den Händlern unter Wo kaufen.
Häufige Fragen
Ist die Dichtigkeitsprüfung beim Wohnmobil Pflicht?
Gesetzlich nicht. Sie ist aber meist eine Bedingung für die Dichtigkeitsgarantie des Herstellers und muss dann in der Regel jährlich in einer autorisierten Werkstatt erfolgen. Die genauen Fristen stehen im Serviceheft.
Wie oft sollte die Dichtigkeitsprüfung gemacht werden?
Während der Garantie so oft, wie es die Garantiebedingungen vorschreiben, laut PiNCAMP by ADAC meist einmal im Jahr. Danach ist eine jährliche Prüfung weiterhin sinnvoll, weil Dichtmassen altern und Schäden früh günstiger zu beheben sind.
Was kostet eine Dichtigkeitsprüfung?
Das hängt von Fahrzeug und Werkstatt ab. PiNCAMP by ADAC nennt eine Spanne von 60 bis 200 Euro. Fragen Sie vorab nach dem Preis und danach, ob kleine Nacharbeiten gleich erledigt werden.
Kann ich die Dichtigkeit selbst prüfen?
Mit einem Feuchtigkeitsmessgerät können Sie regelmäßig an festen Punkten messen und Veränderungen erkennen. Das ersetzt aber nicht die Prüfung in der Fachwerkstatt, die für die Garantie verlangt wird. Steigt ein Wert deutlich an, lassen Sie die Stelle prüfen.
Darf ich das Wohnmobil mit dem Hochdruckreiniger waschen?
Mit Vorsicht und Abstand. Richten Sie den Strahl nicht auf Fugen, Dichtungen, Fenstergummis und Lüftungsgitter, weil Wasser hineingedrückt werden kann. Beachten Sie die Hinweise in Ihrer Bedienungsanleitung.
Passende Ausrüstung
Feuchtigkeitsmessgerät
Ein Gerät mit Kugelkopf oder Flächensensor misst ohne Einstechen und hinterlässt keine Löcher in Wand und Möbeln; wichtig ist, dass Sie stets dasselbe Gerät an denselben Stellen nutzen.
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Das Mittel sollte laut Hersteller für GFK- und Aluminiumflächen geeignet sein und Dichtungen sowie Acrylglasfenster nicht angreifen.
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Achten Sie auf weiche Borsten, die Lack und Fenster nicht verkratzen, und auf eine Stiellänge, mit der Sie das Dach von der Leiter aus erreichen.
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